Jaja, alter Männer und Sport

Natürlich kenne ich den Weg zum Dojo noch!. So groß ist Ingolstadt nun auch nicht und nach fast 10 Jahren in dieser Stadt kenne ich mich hier auch ziemlich gut aus. Ich habe allerdings auch beim zweiten Mal die Dauer der Anfahrt unterschätzt. Kurz vor knapp war ich da und hatte gerade noch genug Zeit den Gi überzuwerfen. Den strahlend weißen Gürtel schürte ich stolpernd auf dem Weg von der Umkleide auf die Matte und mit einer kleinen Verbeugung setzte ich mich dann als letzter in die Reihe, wie sich das eben so gehört, als Weißgurt und erneuter Neuling in der Runde.

Ich hatte immer noch leichten Muskelkater vom „ersten“ Aikidotraining in der Vorwoche, aber ich dachte mir: das wird schon gehen. So einen Muskelkater kann man auch wegtrainieren. Das Aufwärmen gestaltet unser Sensei immer sehr abwechlungsreich und schweißtreibend und so langsam spürte ich den Muskelkater nicht mehr. Der Schweiß lief und ich fühlte mich rundherum wohl.

Nach dem Aufwärmen ging es für einige Minuten in die Fallschule (Ukemi) und mit Freude und viel Elan rollte ich herum, was das Zeug hält. Vorwärts, rückwärts, seitwärts, mit Sprung, aus dem freien Fall, über andere drüber…egal. DAS habe ich vermisst und genau DAS habe ich beim Jiu JItsu so genossen. Den Körper in all seinen Facetten zu spüren und in an Grenzen zu bringen, die man normalerweise niemals erreichen würde.

Während der Partnerübungen war ich mal wieder positiv überrascht über den Umgang miteinander. Gäbe es eine Grenze der Höflichkeit würde sie in einem AIkido-Dojo übertroffen werden. Es wird sich wirklich langsam an die Grenzen herangetastet. Wie stark darf man einen Hebel ansetzen. Ukemi geht gut? Vorwärts, rückwärts kein Problem? Und auch wieder – immer langsam und annähern an die Grenzen.

Es ist wirklich wohltuend und diese Art von gegenseitigem Respekt ist genau das, was im Alltag fehlt. Man bedankt sich für die Möglichkeit des Lernens und mit der Verbeugung drückt man dies entsprechend respektvoll aus. die Gürtelfarbe ist hier egal, denn Lernpotential ist immer und bei jedem Partner vorhanden.

Ich merke zusehends die Ähnlichkeiten zwischen Jiu Jitsu und Aikido. Eigentlich logisch, denn wie bereits mal geschrieben ist Aikido ja mehr oder weniger die intellektuelle Nachkommenschaft des ehemals recht zweckmäßigen Jiu Jitsus. Ich habe mich mehrfach dabei ertappt, wie ich den Koshi Nage (Hüftwurf), egal ob Irimi oder Tenkan, Jiu Jitsu mäßig „durchgezogen“ habe und mein Partner härter auf der Matte gelandet ist, als ich es eigentlich vor hatte. Das hat mir wahnsinnig leid getan, denn wie gesagt – im Aikido wird sich langsam an die Grenze herangeübt.

Aber der Austausch im Anschluß war genial und für mich hat sich hier eine der grundlegenden Fragen beantwortet: Ja, Aikido ist nicht nur eine Kampfkunst, sondern ganz sicher auch eine klare und eindeutige Selbstverteidigungsmöglichkeit. Zumindest wenn man in der Lage ist, das Schöne im Aikido im Ernstfall beiseite zu lassen.

Wie dem auch sei, ich bin auf jeden Fall sehr glücklich nach Haue gefahren und entsprechend euphorisiert habe ich den aufkommenden Muskelkater nur leicht gespürt. Am nächsten Morgen hatte ich nun den Salat: Mein ganzer Körper tat weh. Besonders betroffen war mein linker Oberschenkel (warum auch immer), die Verhärtung spüre ich immer noch. Ich hatte es grandios übertrieben

Für die nächsten Wochen werde ich mich etwas zurückhalten und mich mehr auf die ordentliche Durchführung der Techniken konzentrieren. Mein Körper wird es mir danken… und ich denke meine Trainingspartner auch…

In diesem Sinne!

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